Mineralienfunde


im


Phonolith – Steinbruch


Hammerunterwiesenthal

 

 

Skript nach einem Lichtbildervortrag

 


Natrolith auf Analcim Natrolith auf Analcim


1995 zusammengestellt von

Bernhard Frick

Vorsitzender der Fachgruppe

Mineralogie/Geologie/Paläontologie Potsdam

im Brandenburgischen Kulturbund e.V.

(überarbeitet 2011/12)

 

Liebe Mineralienfreunde und -Sammler

 

Mit meinem Beitrag möchte ich eine Mineralienfundstelle vorstellen, die, wenn auch ihre „Blütezeit“ für Sammler lange vorbei ist, vor allem für Micromounter und Kleinstufensammler, noch immer ansehnliche Funde ermöglicht. Allerdings befindet sich der Betrieb hier in seiner Endphase und es ist nicht absehbar, wie lange es überhaupt noch möglich sein wird, dort zu sammeln.

Einige mögen ja etwas geringschätzig mit einer Bemerkung, wie: „... da gibt's doch nur´n paar Zeolithe und Calcit...“ die Nasen rümpfen. Denen sei aber gesagt, wer nicht angesichts größerer Stufen den Blick für die kleinen Hohlräume im Gestein verliert und diese aufmerksam untersucht, wird überrascht sein. Aber bereits die Vielfalt der Formen der in dieser Fundstelle häufiger auftretenden, seit langem bekannten Mineralien macht das Bergen und die anschließende Aufbereitung des Materials zu einem Erlebnis.

Noch ein Hinweis:

Der frühere Inhaber des Steinbruches war, was man nicht als Selbstverständlichkeit abtun sollte, Sammlern gegenüber immer sehr aufgeschlossen. Grundsätzlich war das Sammeln hier aber nur außerhalb der Arbeitszeit (Sa. ab 13.00 Uhr und an Sonn- und Feiertagen ganztägig) möglich.

Eine Genehmigung zum Betreten der Anlagen wurde zu seiner Zeit unkompliziert erteilt. In diesem Jahr ist es mir noch nicht gelungen, einen Kontakt zwecks Sammelgenehmigung herzustellen.

Die Erfahrung in vielen Bergbaubetrieben zeigt aber, daß auch das Verhalten einzelner Sammler selbst den Anlaß dafür geliefert hat, dass dort keine Genehmigungen mehr erteilt werden. Hiermit ist allerdings nicht der Wandalismus gemeint, der ist Mineraliensammlern nicht zuzuschreiben. 

Sorgen wir durch unser Verhalten und gegenseitige Einflussnahme gemeinsam dafür, dass uns die wenigen noch verbliebenen Bergbaubetriebe nicht auch noch verschlossen werden.

 

Hammerunterwiesenthal ist ein relativ kleiner Ort, an der Deutsch-Tschechischen Grenze, direkt an der Bundesstraße 95 zwischen dem Kurort Oberwiesenthal und der alten  Berg­baustadt Annaberg-Buchholz gelegen.

 

Mein Weg führt mich, als Brandenburger, über das Hermsdorfer Kreuz und die Autobahn A4 bis Hohenstein Ernstthal und von dort über Stollberg, Zwönitz oder Aue nach Scheibenberg und weiter über Crottendorf und Neudorf ans Ziel.

 

Wenn die Straße bei Neudorf, kurz hinter der Schmalspur-Bahnstation Kretscham - Rothen­sehma das Waldgebiet verläßt, gelangt man sehr bald an eine S-Kurve. Hier sollte man sich bei gutem Wetter einmal die Zeit nehmen und auf einem Seitenweg anhalten, um einen Blick in die Landschaft zu werfen.

 

Direkt vor uns wird hier ein alter zum Teil mit Wasser gefüllter Kalkabbau sichtbar.

Folgt man mit den Augen dem Verlauf der Straße, hat man rechterhand vor dem Ort gleich einen ersten Blick auf die oberen Steinbruchanlagen der Firma Richter &Co.KG

Wendet man sich nach rechts, erkennt man in südwestlicher Richtung die Gipfelstation der Seilbahn und den Aussichtsturm des Fichtelberges. Etwas weiter links, also in annähernd südlicher Richtung, ist deutlich der bereits in Tschechien gelegene Keilberg mit seinem Aussichtsturm zu sehen. (auf dem Foto oben nicht sichtbar)

Wendet man sich nach Norden, so erkennt man talwärts die Reste von alten Kalkbrennöfen.

Oberhalb an den Hängen befinden sich u.a. die Halden des ehemaligen Bergbaureviers Niederschlag und dahinter erkennt man bereits den Bärenstein, einen der typischen, an anderer Stelle noch zu erwähnenden „Tafelberge“.

Darstellung des Reviers Niederschlag an dessen Rand Hammerunterwiesenthal liegt, in einem Beitrag in der Lapis von 1990 Darstellung des Reviers Niederschlag an dessen Rand Hammerunterwiesenthal liegt, in einem Beitrag in der Lapis von 1990

In der einschlägigen Literatur wird darauf verwiesen, dass die Gesteine in dieser Region tektonisch so stark beansprucht worden sind, daß primäre Formen kaum noch nachweisbar sind. Es ist deshalb auch kein Wunder, wenn es für die geologischen Abläufe in diesem Bereich verschiedene Interpretationen gibt. Ich möchte hier zwei Deutungen, die sich bezogen auf die Lokalität Hammerunterwiesenthal in einigen Teilen widersprechen, kurz vorstellen.

Betrachtet man sich die Umgebung einmal aus bergbaulicher Sicht, so stellt man auf relativ engem Raum Bergbauanlagen mit unterschied­lichstem Charakter fest (heute allerdings überwiegend nicht mehr in Betrieb befindlich).

 

Da sind zunächst einmal die Schächte und Stollen im Revier Niederschlag zu erwähnen. Hier wurde nachweislich bereits im frühen 18. Jahrhundert auf Silbererze der Bi-Co-Ni-Ag-Formation abgebaut. 1947-1955 baute dann die SDAG „Wismut“ Uranerz ab. Diese Schächte wurden aber noch vor der Übergabe des Reviers an den damaligen VEB Erzgebirgische Spatgruben demontiert. Nach einer aufwendi­gen Rekonstruktion der Grubenbaue erfolgte dann noch bis 1959 ein nicht sehr ergiebiger Abbau von Fluorit und Baryt.

Wegen der inzwischen drastisch gestiegenen Weltmarktpreise z.B. für Fluorit und Baryt wird diese Lagerstätte seit 2010 wieder aufgefahren. (siehe u.a. Meldung der Lapis vom Oktober 2010)  

 

Als nächstes sind da die bereits erwähnten alten Kalkabbaue und Brennöfen. Hier und an weiteren Stellen, z.b. bei Oberscheibe oder Crottendorf wurde seit dem 16. Jahrhundert sowohl im Tagebau als auch unter Tage kristalliner Kalk (Marmor) zur Weiterverarbeitung als Branntkalk aber auch für Dekorationszwecke, zuletzt für die Terrazzo-Produktion, abgebaut.

 

Und dann ist da eben der seit 1896 in Betrieb befindliche Phonolith-Steinbruch mit seiner überwiegend für den Straßen- und Wegebau bestimmten Schotter- und Splittproduktion, der seit vielen Jahren durch seine Zeolithvorkommen  bei vielen Sammlern bekannt und beliebt ist.

Auch 2011 war dieser Steinbruch noch in Betrieb und es konnten noch brauchbare Funde gemacht werden. Es gibt aber inzwischen deutliche Anzeichen dafür, dass der Abbau hier vor dem Abschluss steht.

 

Diese Vielfalt auf engstem Raum hat mich neugierig gemacht.

 

Um ein gewisses Verständnis zu erlangen, ist ein kleiner Ausflug in die Geologie des Erzgebirges unerläßlich.

 

 

Zunächst betrachten wir das Gebiet Sachsens zwischen Leipzig und dem Erzgebirge, nach den über viele Jahre gültigen Auffassungen, wie sie auch im Buch „Geologische Streifzüge…“ beschrieben werden, aus dem auch die Blockdarstellungen entnommen wurden.

 

Während der varistischen Gebirgsbildung, wurden auch in diesem Gebiet die ordovizischen bis präkambrischen Gesteine zu Sätteln und Mulden gefaltet. Durch hohe Drücke und Temperaturen in den tieferen Bereichen der Erdkruste entstanden Metamorphite, wie Gneise, Phyllite oder kristalline Kalksteine. In Spätphasen der varistischen Gebirgsbildung drang dann teilweise auch granitisches Magma zwischen die zuvor gebildeten Metamorphite. Einige dieser Granite führen Zinnerz. In den Meta­morphiten befanden sich insbesondere die Wismut-, Kobalt-, Nickel-, Silber und anderen Erze der Bi-Co-Ni-Ag-Formation, die Anlaß zu einem rund 800 Jahre währenden intensiven Bergbau gaben.

 

Alle tektonischen Strukturen der frühen Gesteine wurden in den folgenden rund 500 Millionen Jahren, ungefähr bis zur Kreidezeit bzw. ins frühe Tertiär wieder abgetragen, so daß sich zwischen dem heutigen Nordböhmen und dem Leipziger Raum ein weites flaches Land mit seichten Flußniederungen ausgebildet hatte. Das ist u.a. an Flußkiesen, Ton und anderen Sedimenten nachweisbar. Im Laufe des Tertiärs rissen dann südlich des heutigen Erzgebirges  SW- NO gerichtete Spalten auf, an denen der Graben des Egertals einsank. Gleichzeitig wurde die nordwestlich  angrenzende Scholle, das jetzige Erzgebirge, um ca. l000 m angehoben und wie ein Pult schräg nach Nordwesten  einfallend aufgestellt. Dieser Hebungsvorgang vollzog sich in mehreren Schüben über einen Zeitraum von etwa 30 Millionen Jahren. Besonders in seiner Anfangsphase war dieser Prozeß im Bereich der Hauptstöhrungszohne von Basaltvulkanismus begleitet. Die überwiegend dünnflüssige Lava ergoß sich dabei in die flachen Täler.

 

Das heutige Landschaftsbild wurde durch die sich anschließenden Erosionsprozesse geschaf­fen. Neu entstandene Flüsse schnitten ihre Täler ein und transportierten das erodierte Gesteinsmaterial nach Norden bzw. Süden in die Niederungen ab.

 

Von den die ursprünglichen Täler und seichten Flußniederungen ausfüllenden Lavaströmen, die sich auf das lockere Sediment, ergossen hatten, blieben nur noch einzelne Teilstücke erhalten, die jetzt, wie der Scheibenberg, der Bärenstein oder der Pöhlberg tafelförmig aus der übrigen Landschaft herausragen. Es fand also durch diese Prozesse eine regelrechte Profilumkehr statt.

Blick auf die Basaltsäulen des Scheibenberges Blick auf die Basaltsäulen des Scheibenberges

 

Die scharfe zum Teil faßt senkrecht ver­laufende Abgrenzung zwischen dem Phonolith von Hammerunterwiesenthal und dem angrenzenden Gneis und Glimmerschiefer wurde bisher immer als

ein sicheres Zeichen dafür angesehen, daß es sich hier um die Füllung eines der früheren Tuffschlote aus der Zeit der Grabensenke handelt. Das entsprach dem Kenntnisstand der Vulkanologie der 60er-Jahre und war lange Zeit unangefochten.

 

 

Jüngeren Untersuchungen folgend, (frühe 80er Jahre) wird die Struktur um Hammerunterwiesenthal als ein fossiles Maar gedeutet. Eine Arbeit von Suhr / Groth in Stuttgart stellt die Entstehung etwa so dar:

Im Kreuzungsbereich eines Paläotales mit der Gangschar Niederschlag (NNW-SSE­streichende Fluorit-Baryt-Gänge) auf der tephritisches Magma aufdrang, kam es durch den Kontakt mit exogenem Wasser zu einer phreatomagmatischen Explosion. Der daraus resultierende Maarkrater hatte, so vermutet man, einen Durchmesser von ca. 2 km.

Die entstandene Depression füllte sich wahrscheinlich schnell mit Wasser und wurde in relativ kurzer Zeit wieder zusedimentiert.

In der Einfahrt zum Steinbruch (Höhe 890 m) aufgeschlossene Wechsellagerung  von grob- und feinkörnigen Tuffiten mit einzelnen eingeschalteten  kohligen Lagen, lassen sich als mögliche Randbereiche des Maarkessels deuten.

 

Auch an anderen Stellen wurden im Liegenden des Phonoliths Sedimente aufgefahren. Es handelt sich hier möglicherweise um umgelagerte Tuffe des Ringwalls, die subaquatisch in Form von Schlammströmen sedimentiert wurden.

 

In diesem Bereich sind noch heute vereinzelt stark inkohlte Pflanzenreste festzustellen. (siehe nachfolgende Abbildung) An fossiler Fauna wurden bisher ein Fisch, ein Salamander (Palaeotriton sp.) und Süßwasserschnecken ge­funden.

 

In der Frühphase der Maarverfüllung kam es neben der Sedimentation noch zu subaquatischen Extrusionen (Eindringen von Magma in den Unterwasserbereich), die an dunklen Gesteinen, bestehend aus Grundge­birgskomponenten und älteren basischen Vulkaniten, nachweisbar sind.

Eigenfund von Pflanzenfossilien im Bereich Steilwand an der Einfahrt 3.Sohle Eigenfund von Pflanzenfossilien im Bereich Steilwand an der Einfahrt 3.Sohle

 

Lange nach der Verfüllung des Maarsees, etwa im Oberen Oligozän, kam es dann zu einem erneuten Eindringen von phonolithischen Magmen, die als lakkolithische Körper in den stark wassergesättigten Seesedimenten stecken blieben. Neben dem etwa im Zentrum des früheren Maars gelegenen Phonolith von Hammerunterwiesenthal  befindet sich bei den „Biederhäusern“ ein unter den Sedimenten verborgener Phonolith und auf böhmischer Seite ist bei Schlössel ein weiterer Phonolith / Tephrit aufgeschlossen.

 

Durch das Aufdringen des Phonoliths wurden Teile des Sediments emporgedrückt und dabei durch den Wärmefluß kontaktmetamorph verändert. Diese sind als rote Tuffite am oberen Rand der Nordwestwand  in grabenförmigen Einbrüchen aufgeschlossen. 

Ob es da noch weitere Untersuchungen geben wird oder nicht, werden wir sehen. Wir dürfen gespannt sein, welche dieser Theorien sich als die wahrscheinlichere durchsetzen wird. Ich möchte meinen, daß die beschriebene Maarbildung möglicherweise mehr als ein lokales Ereignis während der Gebirgsbildungsprozesse im Gebiet des heutigen Erzgebirges anzusehen ist und beide Darstellungen, insbesondere was die älteren Vorgänge betrifft, sicherlich wesentliche Elemente der tatsächlichen geologischen Abläufe in der Region enthalten.

 

Unabhängig davon, wie man die Entstehung des Phonolithkörpers von Hammerunterwiesenthal interpretiert, feststeht, daß die aufsteigenden Magmen stark von Gasen durchsetzt waren, die im Gestein eine Vielzahl von Hohlräumen hinterließen, in denen sich dann eine interessante Mineralisation vollziehen konnte.

 

Über die Mineralparagenese im Steinbruch wurde bisher leider nur sehr wenig veröffentlicht, aber wen, außer den Sammler, interessierten auch schon die industriell nicht verwertbaren Mineralien innerhalb eines Gesteins, das  wegen seiner Festigkeit und anderer spezifischer Eigenschaften dazu bestimmt ist, nach der Zerkleinerung im Brecher, als Baumaterial genutzt zu werden.

 


Blick in den Steinbruch im November 2004, im Hintergrund halb rechts sieht man den Keilberg Blick in den Steinbruch im November 2004, im Hintergrund halb rechts sieht man den Keilberg
Drusen im frisch gesprengten Gestein Nov. 2004 Drusen im frisch gesprengten Gestein Nov. 2004
auf der untersten Sohle im Steinbruch Oktober 2011 auf der untersten Sohle im Steinbruch Oktober 2011

Im Laufe der vergangenen rund 100 Jahre ist der Abbau des Gesteins so weit in die Tiefe vorgedrungen, daß die richtig großen Drusen (50 cm Durchmesser sollen nicht selten gewesen sein) leider nicht mehr zu finden sind.

Es ist aber hier wie an vielen anderen Fundstellen, immer dann, wenn die großen auffälligen Stufen weniger werden, beschäftigen sich die Sammler immer intensiver auch mit den kleinen Dingen und stellen oft dann erst fest, welche Vielfalt bislang unbeachtet geblieben ist. 

 

Die hier in den ehemaligen Blasenhohlräumen am häufigsten auftretenden Minerale sind

Zeolithe.

Dabei handelt es sich um eine Mineralgruppe mit überwiegend gemeinsamen Eigenschaften.

Der Name stammt aus dem griechischen (zeo = ich koche, lithos = Stein) und nimmt Bezug auf  ihre Eigenschaft, bei Wärmebehandlung (vor dem Lötrohr), aufzuschäumen (zu kochen), bevor sie schmelzen, wofür die in das Kristallgitter eingelagerten H2O-Moleküle verantwortlich sind. Zeolithe bilden sich meist aus silikatischen Verwitterungslösungen oder hydrothermal (Temperaturbereich zwischen 10° – 200° C) in Blasenhohlräumen und Klüften junger vulkanischer Gesteine (Basalte, Phonolithe, Tephrite). Ihre Farbe reicht von farblos über weiß bis gelblich, der Strich ist weiß. Die Kristalloberfläche weist einen Glasglanz manchmal auch Perlglanz auf. Die Härte liegt bei 5, die Dichte bei 2,2.

 

Im Einzelnen handelt es sich hier um folgende:

(die Reihenfolge richtet sich hier nicht nach Systematik sondern eher nach der Fundhäufigkeit in unserer Fundstelle)

Natrolith  Na2[Al2Si3O10] · 2H2O

Ist in der Lokalität am häufigsten zu finden. Er tritt überwiegend in Drusen nadelig bis fein faserig als weißer, rosa, orange bis bräunlicher Kristallrasen oder büschelig auf. Häufig ist er mit Thomsonith vergesellschaftet, teilweise epitaktisch in Richtung der c-Achse verwachsen. Es treten auch kurzprismatische Kristalle sowohl einzeln als auch in büschligen Aggregaten in Erscheinung. Die orthorhombischen bis 2 cm langen Kristalle werden in den meisten Fällen von einer flachen Pyramide abgeschlossen. Die zum Teil auftretende für Zeolithe ungewöhnliche Färbung wird nach unseren Beobachtungen vorwiegend durch Mineralschichten (Limonit, Sanidin) auf dem „Grund“ der Drusen hervorgerufen und, wie bei einem Lichtleiter, scheinbar auf die gesamten Kristalle übertragen. Abgebrochene Kristalle oder durch das Entweichen von Kristallwasser bei Wärme rissig gewordene Kristalle sind wasserklar bis weiß. 


 

Thomsonit  NaCa2[Al5Si5O20] · 6H2O

Wasserklare orthorhombische kurzprismatische oder nadlige Kristalle, die hier überwiegend von einer Basisfläche abgeschlossen werden.

Es treten auch häufig Aggregate auf, bei denen die Einzelindividuen keuzweise miteinander verwachsen sind. Ebenso traten häufig kugelförmige Aggregate in Erscheinung, deren parkettierte Kugeloberfläche sich aus den Basisflächen der einzelnen Kristalle zusammensetzt.

Natrolith und Thomsonit verwachsen häufig epitaktisch miteinander, wobei die Längsachsen  (c-Achsen)  parallel verlaufen. 

Gelegentlich sind die Aggregate oder auch Einzelkristalle vollständig oder partiell von einer roten, vermutlich Limonitschicht  überzogen.

 

Chabasit  Ca[Al2Si4O12] · H2O

Kleine rhomboedrische Kristalle, mit Rautenstreifung, sowohl einzeln als auch in Aggregaten, auch in Paragenese mit den anderen Zeolithen. Häufig auch Zwillingsbildung als Ergänzungszwillinge mit nasenartigem Hervortreten der Kristallecken.  Die Farbe reicht von wasserklar bis gelblich.

 

Phakolith (Varietät des Chabasit)

Mit gleichen Eigenschaften wie Chabasit aber charakteristischer durch Verzwilligung entstandener pseudohexagonaler linsenförmiger am äußeren Durchmesser mit einspringenden Winkeln versehener Form.

Analcim  Na[AlSi2O6] · H2O

Wasserklare bis milchig weiße kubische Kristalle, meist Ikositetraeder.  Gehört in der Altersabfolge zu den frühen Kristallisationsprodukten in den jungen vulkanischen Gesteinen, tritt in Form von Einzelkristallen auf  oder kleidet Drusenräume teilweise oder vollständig aus. Bildet in der Lokalität häufig eine wasserklare kristalline Schicht, auf der die anderen Zeolithe oder der Calcit aufgewachsen sind.

 

Mesolith  Na2Ca2[Al2Si3O10] · 8H2O

Ist in den äußeren Eigenschaften kaum von Natrolith zu unterscheiden, tritt in der Lokalität sehr selten auf, wurde bisher nur als schichtartige Aufwachsung mit Porzellanglanz auf Natrolith nachgewiesen.

 

Harmotom  Ba[Al2Si6O16] · 6H2O

In basischen Ergußgesteinen sehr selten auftretender, dem Phillipsit sehr ähnliche monokline Kristalle bildender Zeolith. Wie der Phillipsit bildet der Harmotom pseudotetragonale Durchkreuzungsvierlinge, die an den Zwillingsebenen häufig aufspalten (namengebende Eigenschaft)

 

Faujasit  Na2Ca[Al2Si4O12] · 16H2O

Seltene, kleine farblose bis weiße rasen bildende Oktaeder mit z.T. scharfen Kanten, gelegentlich auch Kombinationen von Würfel und Oktaeder.

In Paragenese mit den Zeolithen oder einzeln treten weiterhin auf:

 

Calcit  CaCO3

Hier treten Kristalle mit Kantenlängen zwischen mehreren Zentimetern und wenigen Millimetern, mit verschiedenem Habitus in Erscheinung. Häufig spalten sich große prismatische Kristalle bereits beim Öffnen der Drusen völlig auf es bleiben dabei Spaltstücke zum Teil mit der Qualität von Doppelspat erhalten. Häufig treten auch kurzprismatische von einer Basisfläche abgeschlossene Kristalle (Kanonenspat) auf. Gelegentlich können auch sehr flache Kristalle (Blätterspat) gefunden werden. Sehr attraktiv können die meist kleinen zu büscheligen Aggregaten zusammengewachsenen Skalenoeder wirken. Wie auch besonders beim Thomsonit  sind Calcitaggregate bzw. Einzelkristalle häufig von einer roten oder gelegentlich bräunlichen Limonitschicht überzogen, vereinzelt sind auch Teile dieser Schicht eingewachsen.

 

Titanit   CaTi[O/SiO4]

Wurde bisher für Hammerunterwiesenthal nur als eingewachsene gelblich bis orangefarbene taflige Kriställchen beschrieben. Bei aufmerksamer Betrachtung kleinster Hohlräume kann dieser aber vereinzelt auch in Form von freistehenden idiomorphen Kriställchen festgestellt werden.

 

Apophyllit  KCa4[(F,OH)/(Si4O10)2] · 8H2O

Tetragonale perlmuttartig glänzende wasserklare bis weiße würflige oder bipyramidale Kristalle, in kleinsten Hohlräumen auf dem Gestein aufgewachsen.


Magnetit  Fe3O4

Eisenschwarz, matter Metallglanz, in einzelnen Bereichen als eingewachsene kubische Kristalle mit deutlichem Magnetismus in solchen Gesteinsabschnitten in kleinsten Hohlräumen auch als mikroskopisch kleine freistehende Oktaeder, zum Teil mit Pyroxen vergesellschaftet, erkennbar.

 

Strontianit  SrCO3

Sehr kleine weiße büschelige Kristalle teils auf Natrolith aufgewachsen oder Kristallraen bildend.

 

Sanidin  K[AlSi3O8]

Als Sanidin wurden mittels Röntgendifrakometer fleischfarbene bzw. grünliche relativ weiche nicht glänzende Aggregate bzw. Auskleidungen von Hohlräumen identifiziert. Bei den Aggregaten handelt es sich wahrscheinlich um Pseudomorphosen nach Strontianit bzw. in einem Fall nach Faujasit.

 

Danksagung

 

Besonders bei den nur vereinzelt und in sehr kleinen Kristallen auftretenden Mineralien erweist sich die Bestimmung als äußerst schwierig, da wenn überhaupt mehrere Stückchen vorhanden sind, deren Präparation z.B. als Probe für eine Bestimmung im Röntgendifraktometer, ein besonderes Geschick erfordert. Meine Achtung und mein Dank gilt hier an erster Stelle meiner lieben Frau, die in vielen Stunden an Binokular und Knacke das gemeinsam gesammelte Material aufbereitet und bewertet und dabei so manche interessante Entdeckung gemacht hat. Dadurch war die Voraussetzung gegeben, vorzeigbare Fotos zu fertigen und die Idee zum Lichtbildervortrag und zu diesem Beitrag geboren.

Wenn es für mich auch nicht personifiziert möglich ist, so möchte ich mich doch auch bei entsprechenden Mitarbeitern des Geoforschungszentrums Potsdam, für die Unterstützung bei der Bestimmung durch die Untersuchung einzelner Proben bedanken. Das gleiche gilt auch für Frau Dr. Günter von der Uni Potsdam.

 

 

Quellennachweis


WAGENBRETH/STEINER :          Geologische Streifzüge Landschaft und Erdgeschichte zwischen Kap

                                                 Arkona und Fichtelberg, Leipzig 1998

VOLLSTÄDT/WEISS :                Mineralfundstellen Sächsisches  Erzgebirge, München 1991

SCHWIND/HOFMANN :              Das Zeolithvorkommen von Hammerunterwiesenthal im oberen

                                                 Erzgebirge, in Lapis, Juli-August 1990

SUHR/GOTH  :                           Erster Nachweis tertiärer Maare in Sachsen,  Stuttgart 1996

LINHARD,S. :                             Natürliche Zeolithe,  Pullenreuth 1995

BAUMGÄRTL,U. :                       Die Zeolithe, Eine Übersicht und Bestimmungshilfe, Berlin 1999